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Mit Familie nach Paraguay: Dokumente für Kinder, Sorgerecht und Solvenz für den Ehepartner

Aktualisiert am

Wenn du mit Familie nach Paraguay ziehst, gilt für die Kinder eine deutliche Erleichterung: Minderjährige von 0 bis 17 Jahren sind von allen Solvenznachweisen befreit, der gesetzliche Vertreter übernimmt die finanzielle Verantwortung. Führungszeugnis, Interpol-Bericht und paraguayisches Polizeizertifikat sind außerdem erst ab 14 Jahren nötig. Kinder unter 14 brauchen keines dieser Zertifikate.

Was jedes Kind trotzdem braucht, ist überschaubar: eine apostillierte Geburtsurkunde, einen gültigen Pass und die Übersetzung aller fremdsprachigen Dokumente ins Spanische. Für den Ehepartner ohne eigenes Einkommen führt der Weg über die Solvenzkategorie „dependiente“ (Angehöriger), und der zentrale Nachweis dafür ist die apostillierte, übersetzte Heiratsurkunde.

Dieser Artikel erklärt, welche Unterlagen je Kind anfallen, wie die drei Sorgerechts-Szenarien geregelt sind, welche Rolle die Heiratsurkunde für die Ehepartner-Route spielt und warum die ganze Familie für die Antragstellung persönlich nach Asunción reist. Alle Regeln stammen aus den amtlichen Seiten der Migrationsbehörde (DNM).

Sind Kinder von den Solvenznachweisen befreit?

Ja. Nach den offiziellen DNM-Seiten sind Minderjährige von 0 bis 17 Jahren von allen wirtschaftlichen Solvenznachweisen befreit. Diese Befreiung gilt unabhängig von der neuen Solvenz-Regel (Resolution 407/2026), die seit dem 6. Juli 2026 die zwölf Solvenzkategorien für die permanente Residency vereinheitlicht: Jene Kategorien betreffen die Erwachsenen, von Kindern verlangt die DNM kein eigenes Einkommen und keinen eigenen Vermögensnachweis. Stattdessen übernimmt der gesetzliche Vertreter, in der Regel ein Elternteil, die finanzielle Verantwortung für das Kind.

Praktisch heißt das: Nicht jedes Familienmitglied muss eine eigene Solvenzkategorie erfüllen. Ein Elternteil weist Einkommen oder Vermögen in seiner Kategorie nach, der Ehepartner geht über die Angehörigen-Route (dazu unten), und die Kinder hängen an den Eltern. Das reduziert den Dokumentenaufwand einer Familie erheblich, weil der aufwendigste Teil, der Solvenznachweis, nur für die Erwachsenen anfällt.

Ab welchem Alter braucht ein Kind ein Führungszeugnis?

Die Grenze liegt bei 14 Jahren. Die DNM verlangt das Führungszeugnis aus dem Herkunfts- oder Wohnsitzland, den in Paraguay ausgestellten Interpol-Bericht und das paraguayische Polizeizertifikat ausdrücklich erst ab 14 Jahren („Requerido a partir de los 14 años de edad“). Für Kinder unter 14 entfällt jedes dieser drei Zertifikate.

Das ist mehr als eine Randnotiz: Für eine Familie mit zwei kleinen Kindern reduziert sich die Zertifikate-Beschaffung damit auf die Erwachsenen. Erst ab dem 14. Geburtstag zählt ein Kind bei den Straf- und Polizeinachweisen wie ein Erwachsener und durchläuft dieselben Schritte (Führungszeugnis mit Apostille, Interpol und Polizeizertifikat vor Ort in Asunción).

NachweisKind unter 14Kind ab 14Erwachsene
Apostillierte Geburtsurkundejajaja
Gültiger Passjajaja
Übersetzung ins Spanischejajaja
Führungszeugnis (Herkunftsland)neinjaja
Interpol-Bericht (in Paraguay)neinjaja
Paraguayisches Polizeizertifikatneinjaja
Eigener Solvenznachweisneinnein (bis 17)ja

Amtliche Regel

Die Ab-14-Schwelle für Führungszeugnis, Interpol und Polizeizertifikat steht so auf den offiziellen DNM-Seiten zur temporären und zur permanenten Residency. Die Solvenzbefreiung gilt für alle Minderjährigen bis einschließlich 17 Jahren, unabhängig von der 14-Jahres-Grenze für die Straf- und Polizeinachweise.

Welche Dokumente braucht jedes Kind?

Für jedes Kind fällt ein eigener, kleiner Satz an Dokumenten an. Der Kern ist bei allen Kindern gleich, unabhängig vom Alter:

  • Apostillierte Geburtsurkunde: Sie belegt Namen, Geburtsdatum und die Abstammung von den Eltern. Die Apostille läuft nach dem Haager Übereinkommen, eine zusätzliche Legalisierung entfällt dann.
  • Gültiger Pass des Kindes, im Original mit beglaubigter Kopie.
  • Spanische Übersetzung aller fremdsprachigen Dokumente. Übersetzt wird von einem in Paraguay registrierten (vereidigten) Übersetzer.
  • Ab 14 Jahren zusätzlich: Führungszeugnis mit Apostille, Interpol-Bericht und paraguayisches Polizeizertifikat.

Wer muss zustimmen? Die drei Sorgerechts-Szenarien

Bei Minderjährigen prüft die DNM, wer sorgeberechtigt ist und wer der Ausreise und der Residency zustimmt. Die amtlichen Seiten unterscheiden drei Fälle. Ordne deine Familie einem davon zu, dann weißt du, welche Zustimmung du brauchst:

  • Beide Eltern reisen mit: Beide unterschreiben. Mindestens ein Elternteil muss dieselbe Residency-Kategorie halten oder gleichzeitig beantragen, an die das Kind angehängt wird.
  • Nur ein Elternteil reist mit: Es braucht die notarielle Zustimmung des abwesenden Elternteils zur Ausreise und Residency, oder ersatzweise einen Gerichtsbeschluss zum Sorgerecht. Ist ein Elternteil verstorben, tritt die Sterbeurkunde an diese Stelle.
  • Ein Dritter als Vormund: Reist das Kind mit einer anderen Person als den Eltern, braucht es die Zustimmung beider Eltern, die vom Jugendgericht homologiert (gerichtlich bestätigt) wird, plus das Vormundschaftsdokument.

Wann du eine Fachperson brauchst

Streit ums Sorgerecht, ein abwesender Elternteil, der nicht zustimmt, oder ein laufendes familienrechtliches Verfahren sind kein reiner Verwaltungsvorgang mehr. Kläre solche Fälle vor der Reise mit einer im Familienrecht erfahrenen Fachperson, auch mit Blick auf das Haager Kindesentführungsübereinkommen. Wir übernehmen keine familienrechtliche Beratung und verweisen dich hier ausdrücklich weiter.

Ehepartner ohne eigenes Einkommen: die Heiratsurkunde als Schlüssel

Für den Ehepartner ohne eigenes Einkommen gibt es die Solvenzkategorie „dependiente“ (Angehöriger). Statt eigener Solvenz weist der Ehepartner die Angehörigkeit zu einer Person nach, die ihre Solvenz erfüllt. Der zentrale Nachweis dafür ist die Heiratsurkunde, apostilliert und ins Spanische übersetzt, zusammen mit dem Ausweis des solventen Ehepartners.

Die Heiratsurkunde erfüllt damit zwei Funktionen zugleich. Erstens ist sie der allgemeine Zivilstandsnachweis, den verheiratete Antragsteller ohnehin einreichen (bei Geschiedenen tritt das Scheidungsurteil an ihre Stelle, bei Verwitweten die Sterbeurkunde des Ehepartners). Zweitens ist sie der eigentliche Türöffner für die Ehepartner-Route: Ohne sie lässt sich die Angehörigkeit für die dependiente-Kategorie nicht belegen.

In der Praxis bedeutet das für ein Paar: Ein Partner erfüllt eine Solvenzkategorie (etwa als Angestellter, Selbständiger oder Rentner), der andere geht über die Heiratsurkunde als Angehöriger. So muss nicht jeder Erwachsene ein eigenes Einkommen nachweisen.

Muss die ganze Familie reisen, und wie lange?

Ja. Das Residency-Verfahren ist persönlich und vor Ort, und zwar für jedes Familienmitglied einzeln, inklusive der Kinder. Es gibt keinen ferngesteuerten Familienantrag, bei dem ein Elternteil die anderen mit anmeldet. Deshalb reist die ganze Familie gemeinsam nach Asunción, jedes Kind wird persönlich vorstellig.

Die in Paraguay auszustellenden Zertifikate bekommt man vor Ort innerhalb weniger Tage: Der Interpol-Bericht wird amtlich in etwa 24 bis 48 Stunden ausgestellt, das Polizeizertifikat in rund einem Tag, die Einreichung bei der DNM ist mit vollständigen Unterlagen am selben Tag möglich. Weil diese Zertifikate nur für Familienmitglieder ab 14 Jahren anfallen, ist der Vor-Ort-Teil bei kleinen Kindern besonders schlank.

Für die Gesamtdauer des Aufenthalts in Asunción gibt es keine amtliche Vorgabe. Agenturen planen erfahrungsgemäß rund eine Woche in Asunción je Familie ein. Das ist ein Erfahrungswert aus der Praxis, keine amtliche Frist. Nach der Einreichung läuft das eigentliche Verfahren bei der Behörde, dafür muss die Familie nicht im Land bleiben.

Amtliche Regel vs. Erfahrungswert

Amtlich: Antragstellung persönlich und vor Ort für jedes Familienmitglied, Interpol offiziell 24 bis 48 Stunden. Erfahrungswert: rund eine Woche Aufenthalt in Asunción je Familie, wie ihn Dienstleister typischerweise einplanen. Die Woche ist kein amtlicher Zeitrahmen, sondern gelebte Praxis.

Was du für die Kinder NICHT brauchst

Ein häufiges Missverständnis: Schulunterlagen, Zeugnisse oder Impfnachweise der Kinder gehören nicht zum Residency-Antrag. Auf der offiziellen Dokumentenliste der DNM stehen sie nicht. Für die Residency selbst zählen die Geburtsurkunde, der Pass, die Zustimmungen der Eltern und die Ausweise, nicht der schulische Werdegang.

Das heißt nicht, dass Schulunterlagen unwichtig sind. Für die spätere Anmeldung an einer Schule in Paraguay wirst du sie natürlich brauchen, dann aber im Verhältnis zur Schule, nicht zur Migrationsbehörde. Für den Residency-Prozess bleibt die Kinder-Checkliste bewusst kurz: apostillierte Geburtsurkunde, Pass, Übersetzung, Zustimmung der Eltern, ab 14 Jahren zusätzlich die drei Straf- und Polizeinachweise.

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Häufige Fragen dazu

Kann ich mit den Kindern ohne den anderen Elternteil nach Paraguay?

Ja, aber nur mit Zustimmung. Reist nur ein Elternteil mit, verlangt die Migrationsbehörde die notarielle Zustimmung des abwesenden Elternteils zur Ausreise und Residency oder ersatzweise einen Gerichtsbeschluss zum Sorgerecht. Ist der andere Elternteil verstorben, tritt die Sterbeurkunde an diese Stelle. Bei Streit ums Sorgerecht solltest du das vor der Reise mit einer familienrechtlichen Fachperson klären, auch wegen des Haager Kindesentführungsübereinkommens.

Müssen Kinder einen eigenen Solvenznachweis erbringen?

Nein. Minderjährige von 0 bis 17 Jahren sind nach den offiziellen DNM-Seiten von allen wirtschaftlichen Solvenznachweisen befreit. Der gesetzliche Vertreter, in der Regel ein Elternteil, übernimmt die finanzielle Verantwortung. Kinder brauchen also weder eigenes Einkommen noch eigenes Vermögen für die Residency.

Ab welchem Alter braucht ein Kind ein Führungszeugnis?

Ab 14 Jahren. Führungszeugnis, Interpol-Bericht und paraguayisches Polizeizertifikat verlangt die Migrationsbehörde ausdrücklich erst ab 14 Jahren. Kinder unter 14 brauchen keines dieser drei Zertifikate, für sie genügen apostillierte Geburtsurkunde, Pass und die spanische Übersetzung.

Muss ich persönlich in Asunción erscheinen oder geht das auch aus der Ferne?

Persönlich. Das Verfahren ist für jedes Familienmitglied persönlich und vor Ort, auch für die Kinder. Einen komplett ferngesteuerten Familienantrag gibt es nicht, deshalb reist die ganze Familie nach Asunción. Die vor Ort nötigen Zertifikate bekommt man dort in wenigen Tagen, Agenturen planen erfahrungsgemäß rund eine Woche Aufenthalt je Familie ein.

Welche Rolle spielt die Heiratsurkunde für den Ehepartner?

Sie ist der Schlüssel für die Ehepartner-Route. Ein Ehepartner ohne eigenes Einkommen kann über die Kategorie „dependiente“ (Angehöriger) gehen und weist die Angehörigkeit mit der apostillierten, ins Spanische übersetzten Heiratsurkunde plus dem Ausweis des solventen Partners nach. Zugleich ist die Heiratsurkunde der allgemeine Zivilstandsnachweis, den verheiratete Antragsteller ohnehin einreichen.

Änderungsprotokoll

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